Terrorismus
         - Definitionsversuch -

Terrorismus ist Schreckensverbreitung durch rechtswidrige Gewaltandrohung und/oder  Gewaltanwendung zur Durchsetzung politischer, wirtschaftlicher, persönlicher oder sonstiger Ziele und regelmäßig dem Krieg verwandt. 
sven2003     

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Vergleich >> Staatsterrorismus

Braucht es eine "Terrorismus-Definition"?

Definitionsversuchen könnte entgegen gehalten werden, dass ein Blick auf die Opfer und Zerstörungen genüge, um den Terrorismus zu begreifen und verurteilen zu können. Aber an solch "kurzgreifendem Begreifen" und an "moralischen Verurteilungen" herrscht kein Mangel, während es nichts ändert, weil es 1. die Ursachen und 2. die Motive unberücksichtigt lässt, 3. auch in der Strafverfolgung wenig Erfolg hat, zumal wenn es sich um Selbstmordattentate handelt.

Terrorismus als Fortsetzung extremistischer Politik mit rechtswidriger Gewalt
Diese These definiert nicht, sondern weist auf den regelmäßigen Zusammenhang von Extremismus und Terrorismus hin.  
Extremismus findet zwar nicht automatisch seine Fortsetzung in Gewalt, aber ist regelmäßig Vorraussetzung des Terrorismus.
Folglich muss die Terrorismusbekämpfung von der Extremismusbekämpfung begleitet sein.            
Terrorismus als Folge eines Schaukeleffekts
Die vom Terrorismus betroffene Gesellschaft neigt zur Überreaktion. Populistische Politiker setzen sich mit Ankündigungen drakonischer Vergeltung in Szene oder rufen sogar zum "Weltkrieg gegen den Terror" (US-Präsident G.W.Bush) auf. Die Überreaktionen (tatsächlich Krieg, Verdächtigung aller Besonnenen und Verdächtigung aller Unbeteiligten als Kollaborateure des Terrorismus kommen dem Anliegen des Terrorismus nach Polarisierung und globaler Konflikt-Eskalation entgegen. So lautete eine der hysterisierenden Fehleinschätzungen von US-Präsident G.W.Bush: "Wer nicht für uns ist, der ist mit den Terroristen."
Folglich muss die Terrorismusbekämpfung von der Populismusbekämpfung begleitet sein.
Terror-Analyse unter Kollaborationsverdacht
Wer den Terrorismus ernsthaft untersucht, kommt um Motiv- und Ursachenanalyse nicht herum. Dabei treten Sachverhalte in Erscheinung, die gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten im Vorfeld von Attentaten und noch zeitfrüher im Vorfeld des Extremismus aufzeigen. Unterlassene Chancenwahrnehmung wird erkennbar, was die Gesellschaft bzw. deren politische und exekutive Vertretung in den Versagensverdacht bringt >> "Missstände bereiten den Boden für den Extremismus", "der Täter war lange zuvor auffällig", "konkreten Hinweisen wurde nicht nachgegangen" usw.

Der in solchen Analyse-Resultaten der Gesellschaft und ihren Funktionsträgern enthaltene Vorwurf wird von diesen meist zurückgewiesen und im Angriff auf die Analysten die beste Verteidigung der eigenen Ordnung gesehen, obwohl deren Lückenhaftigkeit a) nicht ernsthaft bestritten werden kann, b) auch gar nicht beseitigt werden könnte, wenn man es wollte, aber letzteres wird man gerade nicht zugeben wollen, da man glaubt, die Terroristen durch Sicherheitsvorkehrungen entmutigen zu können und sich Vorteil davon verspricht, wenn man sich gegenüber der Bevölkerung als nahezu perfekter Beschützer aufspielt. 

In solcher oft sehr egoistischen Interessenwahrnehmung werden sogar auch die Benennung offenkundigster Terror-Ursachen als "geistige Mittäterschaft mit Terroristen" diffamiert. Insbesondere nach dem 11.9.2001 war es kaum möglich, in die öffentliche Ursachen- und Motivanalyse zu gehen. 

Drei Momente erschwerten den sachlichen Problemzugang, davon zwei Erschwernisse auf der politischen Ebene >> 1. die hohe Opferzahl, 2. der symbolische Charakter der Attentate und 3. wie bei allen Verbrechen die Pietät gegenüber den Opfern und deren Angehörigen. Allein das letztgenannte Moment darf gelten, aber nach befristeter Staatstrauer kann, darf  und braucht niemandem mehr erspart zu werden, die Analyse auch in all seinen unbequemen Seiten zu betreiben.

Aber welchen Terrorismus auch immer man analysieren will, stets trifft einen der Bannstrahl derer, die in angeblicher Interessenvertretung von Staat, Volk und Opfern Analysen in den Verdacht der Kollaboration zu bringen versuchen. 

Die "Krieger gegen den Terror"
Beschaut man sich diese Analyse-Gegner genauer, so findet sich oft ein Treiben, das nicht primär den Terrorismus bekämpft, sondern für eigene, politisch andere Ziele instrumentalisiert. 
Je nach Staat sind es unterschiedliche Ziele, mit Schnittmengen, vorwärts getrieben mit Populismus, wonach "Härte" die einzig effiziente Reaktion auf den Terrorismus sei, obwohl jeder über die eigene Emotionalität hinaus gedacht weiß, dass sich Terroristen weder von scharfen Sprüchen noch von drakonischsten Strafdrohungen abschrecken, sondern eher noch anstacheln lassen. 

Die angebliche "Anti-Terror-Politik" stellt sich je nach Staat dar als 
1. Ausbau des Überwachungsstaates, 
2. Repressionen gegen Oppositionelle, 
3. Ablenkung vom Versagen in anderen Politikbereichen,
4. Ablenkung vom Versagen in genau den Politikbereichen, aus denen es zum Terrorismus kommt.

Beispiele: 

USA und der 11.9. >> Krieg gegen den Irak, wenngleich der Afghanistan-Krieg und die Jagd auf Bin Laden noch eingeschoben wurde.  

Russland >> die Reduzierung des Tschetschenien-Konflikts auf den Terroraspekt und damit Ablenkung vom noch immer imperialen Streben Russlands, das positiv gewendet eine entschieden andere Nationalitätenpolitik erfordern würde, möglicherweise auch nicht mehr nachholbar ist.

...

Die Begründung für die Erforderlichkeit einer Terrorismusforschung kann hier enden, zumal sie wissenschaftlich betrachtet ebenso unumstritten ist wie die Konfliktforschung und Kriminologie. Die Wissenschaft steht weniger unter Legitimationsdruck als die Politik. Immerhin aber tut sich auch die Wissenschaft trotz Artikel 5 GG schwer, sich gegen Vereinnahmungsversuche seitens der Politik freizuhalten. 

sven200311        >> DISKUSSION <<

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>> 19720905 Der Terroranschlag von München

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Resolution 1624 Antiterror-Politik des Weltsicherheitsrats

der 11.9.2001 gehacktes Forum

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