Verhandeln mit der HAMAS

Dass die HAMAS während des letzten Krieges mit Israel systematisch Oppositionelle im Gaza-Streifen ermordete, kann ich mir "lebhaft" vorstellen. ABER es bestätigt meine These, dass wenn ein Regime despotisch ist, mit solchem Regime unbedingt verhandelt werden muss, denn die Menschen dessen Herrschaftsgebietes sind wie Geiseln zu betrachten. - Und mit Geiselnehmern verhandelt nur derjenige nicht, der sich den Geiseln nicht verantwortlich fühlt. Wären es eigene Familienangehörige, so wäre Verhandlungsbereitschaft "selbstverständlich". 
Sobald für die Politik andere Prinzipien behauptet werden als sie im Privaten gehörig wären, ist sie verantwortungslos und vernunftlos.

Was heißt "Verhandeln"? 
Die Gegner von Verhandlungen fürchten und suggerieren, dass Verhandeln Nachgiebigkeit sei - und suggerieren zugleich, dass die eigenen Interessen bloß per Diktat, Gewalt usw. erreichbar würden. 
Beides ist falsch, aber wird noch immer von so vielen Menschen geglaubt, gehofft usw., dass es mindestens zwei negative Effekte hat: 
1. Es ist Folge davon, dass wir an den Fronten bloß Soldaten und keine Diplomaten haben.
2. Es ist Folge davon, dass Interessengegensätze oberflächlich plakativ verbleiben (z.B. Hamas-Charta) oder nach eigenen Kräften Interessen durchgesetzt werden (z.B. Siedlungspolitik).

Qualifiziertes Verhandeln ist keine Nachgiebigkeit, sondern ist Kompromissbereitschaft. Das sind vollends unterschiedliche Angelegenheiten, aber es erschließt sich eben nur entweder durch eigene Erfahrung (z.B. als Kaufmann) 

oder durch logisches Denken >> .

Nachgiebigkeit ist, wenn etwas hergeben wird, ohne etwas dafür zu bekommen, was gleichwertig wäre. Ein guter Kompromiss bedeutet hingegen entweder Gleichwertigkeit der einander gewährten Forderungen oder Höherwertigkeit durch Entwickeln von Vereinbarungen, die über den unmittelbaren Interessenkonflikt hinausgehend zum gemeinsamen Vorteil sind. 

"Terroristen sollen keine Vorteile erlangen" - vollkommen richtig . 

Landräuber sollen ebenfalls keine Vorteile erlangen, denn die "Siedlungspolitik" ist aus meiner Sicht völkerrechtswidrig. 

Wenn deshalb nicht verhandelt werden soll, dann wäre ohnehin die beste Forderung: "Alle Terroristen und Landräuber, auch jeder "Siedler" vor Gericht!" 
Aber wir wissen, wie unrealistisch das ist und sollten deshalb wenigstens keinem dieser Verbrecher das Wort reden, indem wir ihnen durchgehen lassen, dass sie nicht miteinander verhandeln, sondern weiteres Unrecht tun. 

Markus S. Rabanus 20150529

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