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Der Anarchismus steht für eine Vielzahl von Ideologien, denen die Ablehnung von Herrschaft gemeinsam ist.
Die dazu entwickelten Theorien reichen von individualistischen bis hin zu kollektivistischen Anarchie-Modellen, vom Kleinstkapitalismus bis zum Anarchosyndikalismus
Der Anarchismus lehnt in ähnlicher Weise wie der Marxismus die bürgerliche Demokratie ab, weil ihre Staats- und Rechtsordnung in der Realität nicht wahrhaft demokratisch sei, sondern monopoltendierende Herrschaften verschleiere.
Im Unterschied zum Marxismus wird Demokratie zudem auch prinzipiell abgelehnt, weil sie die Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit bedeutet. 
Der Alternative zur Mehrheitsherrschaft sei die Selbstorganisation und Freiwilligkeit des Anarchs im Zusammenwirken mit anderen Anarchen
Der von Anarchisten angestrebte Zustand, also die herrschaftsfreie Gesellschaft, wird als Anarchie bezeichnet. 

Selbstbezeichnungen sind je nach vermeintlichem Zustand: Anarchist, Anarch, Anarcho, Libertäre, Autonome, ...

Politisches Gewicht des Anarchismus

In demokratischen Rechtsstaaten hat der Anarchismus nur für Jugendliche Anziehungskraft und ist mit seinen fundamentalistischen  Konventionsverstößen eine typische Ausdrucksvariante des Generationskonflikts. Keine Familie mit halbwegs politischen Kindern bleibt davon verschont, zumindest was anarchistische Tendenzen oder Sympathien anbelangt. Auch meine nicht:-)
  
Der Anarchismus wird von keiner größeren Partei programmatisch vertreten, allenfalls zur Verteufelung von Protestbewegungen, insbesondere zur Verteufelung und Kriminalisierung von Jugendkultur, denn der Anarchismus ist fester Bestandteil vor allem in der systemkritischen und kapitalismusfeindlichen autonomen Szene, die teilweise mit der kommunistischen Szene rivalisiert oder sich mit ihr überlappt. 
Von wenigen Salon-Anarchisten abgesehen gibt es Neigungen zu ausgeprägter Militanz gegen die Vertreter der Staatsgewalt, vor allem gegen die Polizei und gegen tatsächliche oder vermeintliche Symbole des als repressiv empfundenen Staates; das kann gelegentlich ein im Lebensumfeld von Anarchos abgestellter PKW sein, solange dieser noch einigermaßen im Lack ist.

Ihrem Selbstverständnis nach sind Anarchisten regelmäßig revolutionär und bringen dieses durch allerlei Zeichen, Kleidung und Verhalten zum Ausdruck. 

Der 1.Mai wird regelmäßig für Aktionen in Anspruch genommen, was von den Gewerkschaften und Arbeiterklasse weniger gern gesehen wird, weil die Revolutionsspielchen von Anarchos/Autonomen das öffentliche Interesse von Gewerkschaftsforderungen ablenken. 


Hallo P.,

die Zielstellung einer Freiwilligkeit, beruhend auf der "direkten Übereinkunft aller Betroffenen", würde daran scheitern, dass der Mensch im Geflecht seiner Triebe und Sozialisation die Versagensmomente unauslöschlich in sich trägt und die individuelle Unvernunft stets einer gesellschaftlichen Grenzsetzung und Reaktion bedarf.

Diese "Fehlerhaftigkeit" des Menschen macht zugleich seinen Reiz gegenüber der kalten Mathematik aus. Dieses nicht restlos zu ordnende Schein-Chaos im Verhältnis zwischen Individuum und Umwelt bedingt Kreativität und Freiheit.

Die Begrenztheit der Freiheit wiederum, die allen Sozialsystemen immanent ist, hebt sie nicht auf, sondern definiert sie in Rechten und Pflichten des Ganzen zum Einzelnen und umgekehrt. - Nichts anderes würde ein Anarchismus auch tun und wäre schon keiner mehr, denn es ist für den Menschen kaum von Belang, wie sich die Normüberwacher nennen, ob Räte, ob Vollversammlung, ob Betroffenengruppe. 
Entscheidender ist, wie die Rechte verteilt sind, woraus der Konflikt ist, ob jemand gehängt wird oder nicht.

sven200106
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