Lügenpresse ?

Ich verabscheue den Begriff "Lügenpresse", zumal  die Pressefreiheit ein zu hohes Rechtsgut ist, um sie mit Pauschalurteilen verunglimpfen zu dürfen. 

Und es ist zu banal, denn nicht bloß Journalisten lügen, Politiker, Unternehmer, Arbeitnehmer, Vermieter und Mieter lügen & betrügen, aber viele auch nicht oder selten, ist derart allgemein, dass es sogleich wieder Lüge wäre, eine Sippschaft hervorgehoben an den Pranger zu stellen.

Ob etwas Lüge ist, kann obendrein nicht davon abhängig sein, welcher Aspekt gefällt oder nicht, denn auch das ist verlogen, wenn jemand aus Interessenwidersprüchen jegliches Interesse des Widerparts zur Lüge erklärt.

Aber es gibt Ausnahmen, bei denen von "Lügenpresse" zu reden angebracht war und ist, wenn die Presse "gleichgeschaltet" ist mit verlogener Macht, wie es in totalitären Staaten häufiger Fall ist. Dann mögen sich Zeitungen "Prawda" (russ. "Wahrheit") nennen und beugen sich dennoch der staatlichen Zensur, schreiben einseitige Ansichten als Wahrheit vor, verschweigen zu sehr die Ansichten des Widerparts, so dass ein verlogenes Weltbild entsteht.

Daraus den Umkehrschluss zu ziehen, dass wenn unterschiedliche Zeitungen im Wettbewerb um Existenz und Auflagen stehen, die wahrheitsgemäße Berichterstattung gewährleistet sei, wäre allerdings kurzschlüssig, denn jedes Presseerzeugnis bedient ihre Zielgruppen - und denen ist die Wahrheit oft zu unlieb, sobald verdächtig den eigenen Interessen zuwider. 

Also: Ob ich den Begriff "Lügenpresse" mag oder nicht, es gilt kritische Distanz zu wahren, wie zu allem, was einseitiger Interessenvertretung verdächtig ist. 

Dies ist ein schwacher Text - und überzeugt mich kaum, aber zu mehr genügt es im Moment nicht. 

So sehr gern ich mich mit Prinzipiellem beschäftigen mag, fällt mir die fallweise >> MEDIENKRITIK << leichter.

Markus S. Rabanus  2015-10-13

Beispiel >> Medienkritik- "Spiegel lügt"

2017-06-03 >> Presse ist Interesse

Definition >> Mainstream-Medien

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