Kinderreichtum


UNICEF zum Tag des Sechsmilliardsten Erdenbürgers am 12.10.1999

Köln, 11.10.99: Selbstbewusste Frauen bekommen weniger Kinder. Hierauf weist UNICEF anlässlich des "Tags des sechsmilliardsten Erdenbürgers" hin, den die Vereinten Nationen am 12. Oktober veranstalten. Denn nur, wenn Frauen selbst bestimmen können, wie viele Kinder sie haben möchten, kann das Bevölkerungswachstum verlangsamt werden. Im Herbst diesen Jahres überschreitet die Weltbevölkerung die Sechs-Milliardenmarke.

Frauen in den Entwicklungsländern wünschen sich heute im Schnitt nicht mehr als zwei oder drei Kinder. Doch weltweit haben rund 350 Millionen Frauen keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. In vielen Ländern werden Mädchen außerdem sehr jung verheiratet. Sie bekommen dann meist auch sehr früh ihr erstes Kind. Untersuchungen in verschiedenen Entwicklungsländern belegen, dass Frauen, die einige Jahre zur Schule gegangen sind, später ihr erstes Kind bekommen und insgesamt weniger Nachkommen haben als Frauen ohne Schulbildung. Allerdings sind die Bildungschancen von Mädchen vielfach deutlich schlechter als die von Jungen. Fast zwei Drittel der 130 Millionen Kinder, die nicht zur Schule gehen, sind Mädchen.

Die sechste Milliarde

Das Wachstum der Erdbevölkerung von einer Milliarde auf zwei Milliarden Menschen hatte noch von 1830 bis 1930 gedauert. Die dritte Milliarde wurde bereits 30 Jahre später erreicht. Heute dauert es nicht einmal mehr 15 Jahre, um eine neue Milliardenmarke zu überschreiten. Damit hat sich die Weltbevölkerung im 20. Jahrhundert nahezu vervierfacht. Und dies, obwohl die Geburtenraten weltweit sinken. Noch 1960 hatte eine Frau im Durchschnitt sechs Kinder. Heute liegt die durchschnittliche Kinderzahl bei etwa drei. Im Iran beispielsweise bekam eine Frau 1990 im Schnitt 4,9 Kinder, während es 1997 nur noch 2,9 waren. Der Grund für das schnelle Wachstum der Weltbevölkerung ist, dass es heute annähernd doppelt so viele Frauen im gebärfähigen Alter gibt wie vor 30 Jahren. In den Entwicklungsländern lebt heute die größte Elterngeneration aller Zeiten. Dennoch haben etwa weltweit ein Viertel der Paare keinen ausreichenden Zugang zu Verhütungsmitteln.

Sinkender Kinderwunsch

Nach neuesten Schätzungen der Vereinten Nationen wollen insgesamt rund 120 Millionen Frauen keine weiteren Kinder mehr bekommen oder die nächste Geburt hinauszögern. Dennoch verhüten sie nicht. Allein in Indien sind dies ca. 31 Millionen Frauen. Aufgrund ihres niedrigen Status haben diese Frauen keine Möglichkeit zu bestimmen, wann, in welchen Abständen und wie viele Kinder sie bekommen wollen. Sie können häufig bei ihren Männern die Verwendung von Verhütungsmitteln nicht durchsetzen oder haben keine ausreichenden Informationen darüber. Die Geringschätzung gegenüber Frauen bedeutet außerdem, dass in vielen Ländern Söhne als Nachkommen bevorzugt werden. Paare bekommen daher oft solange Kinder, bis sie die gewünschte Anzahl Söhne haben.

Bildung ist das beste Verhütungsmittel

Das beste Mittel, die Entscheidungsmöglichkeiten der Mädchen und Frauen zu verbessern, ist die allgemeine und kostenlose Grundbildung. Frauen ohne abgeschlossene Grundschulbildung werden durchschnittlich doppelt so häufig schwanger wie Frauen, die länger zur Schule gegangen sind. Dies belegen Untersuchungen z.B. aus Guatemala. Dort hat eine Frau ohne Schulbildung durchschnittlich 6,9 Kinder, während eine Frau mit abgeschlossener Grundschule etwa 3,9 Kinder bekommt. Frauen, die eine weiterführende Schule absolviert haben, bekommen sogar im Durchschnitt nur noch 2,7 Kinder.

Der Bildungsgrad der Frauen wirkt sich auch direkt auf die körperliche und geistige Entwicklung ihrer Kinder aus. Frauen mit Schulbildung wissen z.B. mehr über gesunde Ernährung und bringen ihre Kinder regelmäßiger zu Vorsorgeuntersuchungen. Hierdurch sinkt die Kindersterblichkeit. So sterben z.B. in Indonesien 13 Prozent der Kinder von Müttern ohne Schulbildung vor ihrem fünften Geburtstag. Wenn Eltern aber sicher sein können, dass ihre Kinder überleben, bekommen sie auch weniger Kinder. Umgekehrt haben die Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit auch die höchsten Geburtenraten.

Festlegung eines Mindesheiratsalters von 18 Jahren

In vielen Ländern müssen Mädchen sehr früh heiraten. In Bangladesch liegt das Durchschnittsalter der Mädchen bei der Hochzeit bei 14 Jahren. Entsprechend früh bekommen sie ihr erstes Kind. Weltweit werden jährlich 15 Millionen Teenager Mutter. Dies bedeutet für die Mädchen ein abruptes Ende ihrer Kindheit und bringt sie häufig sogar in Lebensgefahr. Denn jährlich sterben 150.000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt sowie unsachgemäß durchgeführten Abtreibungen. UNICEF setzt sich daher weltweit für die Festlegung eines Mindestheiratsalters von 18 Jahren ein.

UNICEF: Auf die Frauen kommt es an

Auf der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo 1994 wurde die Bedeutung der Selbstbestimmung der Frau im Hinblick auf Familienplanung in den Mittelpunkt gestellt. In vielen Ländern trifft der Mann traditionell die Entscheidung über die Anzahl der Kinder. In Kairo wurde jedoch deutlich, dass Frauen über die Anzahl der Kinder, den Zeitpunkt der Elternschaft und die Abstände zwischen den Geburten gleichberechtigt mitbestimmen können müssen. Die 180 Teilnehmerländer einigten sich darauf, die Ausgaben für Familienplanung deutlich zu erhöhen. Bis zum Jahr 2000 sollten sie hierfür jährlich 17 Milliarden Dollar bereitstellen. Fünf Jahre nach der Konferenz stehen jedes Jahr jedoch nur 1,4 Milliarden Dollar für Familienplanung zur Verfügung.


>> Familienpolitik und Asylpolitik

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