+++ Anderes Nachdenken über Hiroshima +++

Dass es ein grauenhaftes Ereignis war, leugnet eigentlich niemand. Und schon der Begriff "Ereignis" müsste suspekt sein, als gehe es um einen Kometeneinschlag anstelle von Befehl und Tat, aber auch dann wäre noch immer Meinungsverschiedenheit, ob der Atomwaffeneinsatz gerechtfertigt war. 

Vielleicht lässt sich dieser Streit auf folgende Weise beilegen:

Der Pilot des Enola Gay B29 Bombers hieß Paul Tibbets und verstarb 2007 im Alter von 92 Jahren. 
Wenn man ihm glauben mag, hielt er seinen Atomwaffeneinsatz zeitlebens für eine "patriotische Pflicht". 
Vielleicht glaubte er es wirklich, denn es wurde ihm immer wieder von namhaften Historikern und den Mächtigen in Politik, Militär und Gesellschaft mit hohen Auszeichnungen gedankt. 

War Tibbets das tapfere Schneiderlein? Und Hunderttausend auf einen Streich?

Das ist ein makaberer Vergleich zwischen Märchen und Realität, aber immerhin wäre er mit recht hoher Wahrscheinlichkeit tapferer und es für ihn beschwerlicher gewesen, wenn er die 70.000 "Soforttoten" vom 6. August nicht mit der einen großen Bombe hätte erledigen müssen, sondern mit 70.000 einzelnen, sauberen Kopfschüssen in die Stirn von Kindern, Frauen, Greisen usw.?
Niemand wäre verbrannt, verstrahlt, keine 100.000 Folgetoten innerhalb der nächsten zwölf Monate, niemand verletzt, nicht die unzählbaren Spätfolgetoten, Fehlgeburten und verunstaltet Geborenen weit über den Krieg und die Generation hinaus.

Hätte man das tapfere Schneiderlein auch dafür geehrt? Oder wäre sich die Welt einig, dass Tibbets ohne Rücksicht auf Kinder und Kindeskinder ein Massenmörder war?

Würde man dann noch immer seine Toten gegen die dadurch geretteten Leben von Soldaten aufrechnen? 

Oder wären sich alle heutigen Kommentatoren einig und würden sagen: "Nein, das durfte unter keinen Umständen sein. Es war ein unverzeihliches Kriegsverbrechen."

Unverzeihlich heißt nicht, dass Japan oder die Welt heute Groll gegen Truman oder Tibbets hegen dürfte, ohne den Stab über alle zu brechen, die den Krieg begannen, den Krieg und nicht die Diplomatie für die Fortsetzung von Politik und deren "Ultima Ratio" hielten und halten.

Aber die Konsequenzen wären allmählich mal endlich zu ziehen, dass Atomwaffen geächtet gehören - und weitergehend, dass den Staaten das Kriegführen nicht bloß verboten wird, wie es die Charta der Vereinten Nationen längst macht, sondern solch Verbot auch umgesetzt werden muss, indem den Staaten der Kriegswaffenbesitz genommen wird, indem einzig die Vereinten Nationen Kriegswaffen haben darf, damit sich die Menschheit endlich vor der Geißel der internationalen Selbstjustiz emanzipiert. Es braucht das Gewaltmonopol für eine oberste Weltpolizei, es braucht das Befehlsmonopol bei den Vereinten Nationen.

So dachte es Immanuel Kant vor - und nicht als "Utopie", sondern als dringendes und machbares Erfordernis. Darin erkannte Albert Einstein den einzig wirklichen Pazifismus. Und an uns wäre es, wenigstens und selbstverständlich zuallererst unsere eigene Regierung auf diesen Weg zu bringen. 
Nur auf diesem Weg kann unser Land der globalen Mitverantwortung militärpolitisch gerecht werden. 

Markus Rabanus  20140807

War Hiroshima erforderlich

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