Frieden schaffen ohne Waffen ?
Setzt ein auch mit Waffen überlegenes UNO-Gewaltmonopol voraus.


"Frieden schaffen ohne Waffen"
ist richtig, wenn gemeint ist, dass Streitparteien ihre Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln beilegen sollen. 

"Frieden schaffen ohne Waffen" ist falsch, wenn gemeint ist, dass es keine Waffen mehr geben dürfe, denn es kommt darauf an, wer sie hat, weil einzig und allein ein überlegen bewaffnetes und den Streitparteien übergeordnetes Gewaltmonopol dafür sorgen kann, dass Streitigkeiten nicht mittels Gewalt ausgetragen werden. 


Alle Menschheitsgeschichte ist Geschichte, die von Raubzügen und Versklavung durchzogen ist. 

Das "Naturrecht des Stärkeren" herrscht bis heute überall dort, wo das Gemeinwesen versagt und sich der kulturellen Weiterentwicklung verweigert. So auch hinsichtlich des internationalen Friedens, wenn die Nationalstaaten noch immer auf die Selbstverteidigung setzen, obgleich es die Stärkeren privilegiert, dass Wettrüsten schürt und zur Selbstjustiz befähigt - anstatt die Streitparteien mittels überlegen bewaffnetem UNO-Gewaltmonopol auf friedliche Streitmethoden zu zwingen, dass also nur noch demokratisch, diplomatisch und vor Gerichten Streitigkeiten entschieden werden können. 

 "Frieden schaffen ohne Waffen" setzt folglich ein überlegen starkes und den Streitparteien übergeordnetes Gewaltmonopol voraus, während sich Paradies-Gläubige, sei es aus "Gottesfurchrt" oder sonstiger Naivität, zum Lügen oder Ignorieren verpflichtet sehen, allein durch Wohlverhalten sei Frieden zu sichern. 

"Frieden schaffen ohne Waffen", so gut es gemeint sein mag, weshalb harsche Kritik daran gemein sein kann, ist jedoch genau die Dummheit, die den Wettrüstern bequemste Opposition ist, weil am Kern des Problems vorbei, dass die Waffen den Streitparteien genommen gehören und dem Gewaltmonopol zu unterstellen sind. 

Gleichwohl gab und gibt es viele Situationen, in den sich "Frieden schaffen ohne Waffen" bewährte und richtig ist.  Das sicherlich prominenteste Beispiel war Gandhis gewaltloser Widerstand gegen die britische Kolonialmacht.  Aber dazu bedurfte es zahlreicher Voraussetzungen, von den sich einige verallgemeinern lassen, andere hingegen nicht, denn Gandhi wäre vermutlich gescheitert, wenn anstelle Großbritanniens Hitlers Deutschland Kolonialmacht gewesen wäre, denn die nationalsozialistische Ideologie war ja gerade daraus, sich als "Herrenrasse" zur Versklavung anderer Völker berufen zu sehen - bis hin zur Ausrottung aller, die sich nicht zu wehren vermochten. 

Der Gandhi-Pazifismus war folglich nicht in Gänze verallgemeinerbar, während der hier vertretene UNO-Pazifismus verallgemeinerbar ist - und zwar in Gänze.

"Frieden schaffen ohne Waffen" - nicht alles, was sich reimt, ist in allem richtig. 

Markus S. Rabanus 20170828


+++ Was Pazifismus eigentlich ist +++

Lieber Konstantin Wecker,
 
so wunderschön der Kästnertext - und ich liebe ihn schon immer, aber er schafft keinen Wandel zur menschheitsalten Kriegswehklage, denn Pazifismus geht anders:

1. Dass Streitigkeiten mit Paragraphen entschieden werden müssen, nicht mit Waffen, weil sonst nur der Stärkere, Rücksichtslosere oder Hinterhältigere gewinnt.

2. Dass wenn sich zwei Staaten unzivilisiert streiten, dann nicht die Streitparteien, sondern die Vereinten Nationen zu entscheiden haben, wie es zwischen zerstrittenen Personen in jedem halbwegs vernünftigen Rechtsstaat Selbstverständlichkeit ist. (Und jedes schlechte Urteil ist besser als Krieg.)

3. Dass einzig die Vereinten Nationen über Kriegswaffen verfügen und endlich nicht mehr die Staaten, 
- weil sie sonst weiterhin wettrüsten und einander "abschrecken" werden,
- weil auch deren Frieden sicherer ist, wenn er nicht mehr auf Selbstverteidigungsrechten beruht, sondern auf dem Gewaltmonopol der Vereinten Nationen. 

In dem Maße, wie die Staaten entrüstet und die Vereinten Nationen gerüstet werden, vollzieht sich die Eindämmung der nationalen Selbstjustiz, verringert sich auch die Rüstung insgesamt und käme mit schwächeren Waffen aus. 

Okay, Immanuel Kant schrieb es vor 219 Jahren - und trotz schlimmster Kriege sind wir von solch Welt noch immer sehr weit entfernt, aber wir werden sie niemals erreichen, wenn wir sie nicht anstreben, indem wir dieses Ziel jeder Politik zur Messlatte machen, wenn wir nicht über das ewige "Seid-nett-zueinander" hinaus ernsthafter werden.

LG aus Berlin!
Markus Rabanus   20140816    Pazifismus-Forum

Frieden schaffen mit UNO-Waffen   2017-07-17

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