Wäre die atomwaffenfreie Welt möglich? 
Oder gefährlicher als die heutige Welt? 

Mit dieser Frage beschäftigt sich Rico Grimm in einem älteren Beitrag von Krautreporter.de 

Lieber Rico Grimm, 

ich halte die Sorge für unbegründet, dass übersehen werde, "welche Probleme ein globales Atomwaffenverbot mit sich bringen könnte", zumal auch der Atomwaffensperrvertrag in seinem Artikel 6 die "allgemeine und vollständige" Atomwaffenabrüstung ausdrücklich von "strenger, wirksamer und internationaler Kontrolle" abhängig sieht. 
Es nicht anzunehmen, dass anschließend auf Kontrollmechanismen verzichtet würde.

Dass der kürzlich verstorbene Wirtschafts-Nobelpreisträger und Spieltheoretiker Thomas Schelling (USA) die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt für "nicht zielführend" hielt, 
- weil allein schon das Wissen zum Atomwaffenbau jede Krise zu einer Nuklearkrise eskaliere / "Es wäre eine nervöse Welt.", zumal letztlich niemand kontrollieren könne, dass Schelling im Gefrierfach seines Kühlschrankes genügend Plutonium für eine Bombe verstecken könne".
Mich vermag das nicht zu überzeugen, denn er hätte vermutlich mehr Probleme mit solchem Kühlschrank als die Welt daraus einen atomaren Schlagabtausch zu befürchten hätte. 

Desweiteren sei Schelling der Auffassung gewesen, "dass die Regierungen in einer atomwaffenfreien Welt immer auf der Hut sein müssten. Sie müssten sich versichern, dass sich kein anderer Staat der Welt heimlich solche Waffen zulegt. Sie müssten sich aber auch sicher sein, dass sich kein anderer Staat der Welt heimlich die Fähigkeit erhält, solche Waffen zu bauen."

Auch das überzeugt mich nicht, wenngleich "auf der Hut zu sein", stets richtig ist (*schnarch*), aber auf der Grundlage eines globalen Atomwaffenverbotes dürften sich die erforderlich Inspektionen immerhin deutlich leichter tun als ohne solch' Abkommen. 
Und unsere Kühlschränke dürfte m.E. unbehelligt bleiben, es sei denn, man mache sich sonderlich verdächtig. Und NSA schaue nicht ohnehin hinein.

Überdies: Wer gegen ein Atomwaffenverbot mit der Dimension erforderlicher Kontrollen argumentiert, hätte es mit dem Aufwand zu vergleichen, der durch das atomare Wettrüsten anfällt. Beides lässt sich schätzen. Und die Atomrüstung dürften deutlich teurer sein, nebst den Bunker-Refugien, von denen sich die Regierungen im "Ernstfall" von uns zu verabschieden gedenken. 

Überdies wäre es mit institutionellen Kontrollen nicht getan, sondern es braucht Straffreiheit, weltweites Asyl und Belohnung für Whistleblower, sofern hinreichend wahrscheinlich ist, dass sie zutreffend verpetzen, wer wo auf welche Weise gegen Gesetze und völkerrechtliche Abkommen verstößt. 
Diesbezüglich hätte der Geheimhaltungsanspruch von Staaten ebenso Federn zu lassen, wie ich mir als Unternehmer zumuten lassen muss, von Angestellten angezeigt zu werden, wenn ich Recht breche. 
Wenn es um die Rechtstreue geht, hat sich kein Staat mit Souveränitätsansprüchen rauszureden. Und eigentlich noch weniger als der einzelne Mensch, denn Anforderungen an die Rechtstreue von Staaten sollten deutlich höher als an Hinz und Kunz. 

#Krautreporter.de meint: "Dass eine Welt ohne Atomwaffen sicherer sei, nehmen viele an. Aber erstaunlich wenige können es beweisen."

Lieber #Krautreporter, dass es nur "wenige" seien, hat zwar zumindest in Demokratien politische Relevanz, aber für die wissenschaftliche Beurteilung eines Problems würde immerhin schon der einzige Beweis genügen. 

LG. Markus S. Rabanus  20170317

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