Konvertiten = wer das religiöse Bekenntnis wechselt.

Die meisten Religiösen glauben, was ihnen von Geburt an eingetrichtert wird. 
Die meisten Religiösen sind quasi "Nesthocker-Religiösen" = ausdrücklich nett gemeint. 

Aber der Nesthocker-Glauben ist Zufall. 

Nur glauben Religiöse so ungern an Zufälle, als sei der Zufall ein Übel und nicht oft großes Glück, als sei der Zufall unmöglich, weil alles gottgewollt, als sei dann nicht auch das Übel gottgewollt, als sei dann Gott noch anbetungswürdig. - Schwierig. Für viele zu schwierig. 

Wenn Religionsgemeinschaften kritisches Reflektieren zur eigenen Religion anbieten, so meist zu dem Zweck, die Kritik zu zerstreuen und den Glauben an die einzigartige Richtigkeit der eigenen Religionsgemeinschaft zu festigen. Anderenfalls könnte ja passieren - und es passiert trotzdem oft, dass sich der Glaube erledigt. 

Oder es kann passieren, dass jemandem eine andere Religion begegnet und glaubwürdiger scheint. Auch das passiert sehr oft und desto öfter, je mehr Menschen unterschiedlichen Glaubens miteinander leben. 

Konvertiten könnten religiöse Friedensstifter sein ! 

1. Denn sie wissen doch aus sich selbst, dass die Andersgläubigen "Andersgläubige" sind und eben keine "Ungläubigen". 

2. Denn sie kennen sich gewöhnlich besser als die Nesthocker-Religiösen in zwei Religionen aus und könnten vermitteln, wo es an gegenseitigem Kennen und Verständnis fehlt. 

ABER häufig passiert das Gegenteil, dass Konvertiten gegenüber ihrem früheren Glauben ungnädiger als die Nesthocker-Religiösen gegen andere Religionen sind. 

Das hat Gründe. 

>> Oft erleiden Konvertiten üble Nachrede seitens der verlassenen Religionsgemeinschaft, wenn es beispielsweise heißt, er habe "vermutlich nie richtig verstanden und nie richtig geglaubt", was total falsch und verleumdend oder auch stimmen kann. - Ich lernte beides kennen.
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>> Oft erleiden Konvertiten Misstrauen ihrer neuen Religionsgemeinschaft, die solch Übertritt zwar für ein Zeichen der Überlegenheit ihres Glaubens halten, aber Konvertiten stärker misstrauen als den Nesthocker-Gläubigen. - Ich misstraute eher denjenigen, die bloß glaubten, was man sie lehrte und nichts anderes glauben konnten, weil sie sich nicht dafür interessierten, was andere lernten. 

Ein Beispiel: Dem vom Christentum zum Salafismus konvertierten Profiboxer Pierre Vogel wird nachgesagt, er habe den Box-Sport als mit dem Islam unvereinbar aufgegeben. 
Ja, das scheint mir plausibel, aber dann fragt sich, wie ihm früher der Box-Sport mit dem Christentum vereinbar gewesen sein kann, wenn ihm in Jesu Nachfolge gegolten hätte, dem schlagenden Gegner die zweite Wange hinzuhalten? 
Mit solch christlicher Kampftaktik hätte er gewiss nie dt. Juniorenmeister werden können, denn das Punktesystem verlangt anderes Vorgehen. Darum ist doch schade, wenn so ein religiöser Vogel heute nicht einfach sagt: "Mir wurde leider erst als Muslim bewusst, was ich schon als Christ hätte kapieren müssen, denn Jesus hatte es ausdrücklich geboten." - Aber dass er als Christ zwischen christlichen Geboten und Verboten nicht religionsrichtig zu unterscheiden verstand, mag ich ihm aus zu vermutenden Gründen seines Elternhauses und Jugend gar nicht verdenken. Nur müsste er eben auch das sagen, denn sein miteiferndes Publikum ist jung und vor der jugendlichen Unreife zu warnen.

Mir scheint es wie in so vielen Kontexten: Auch Mutanten haben Konstanten. - Desgleichen scheint in Pierre Vogel geblieben, was er war: Ein Christenkritiker wie ein Profi-Boxkämpfer, der sich den Erfolg daraus zu machen versucht, im Boxkampf der Religionen auf die schwächsten Stellen des Christentums zu zielen und die eigenen Schwachstellen des Salafismus möglichst so zu decken, dass sie niemand bemerke, denn das würde ihn seine christlich ungebildete Anhängerschaft kosten, die sich wie er über Differenzen selbstzufriedener identifiziert als über Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen. 

So jedenfalls mein Eindruck von einem seiner Youtube-Videos, in dem sich Pierre Vogel über das Christentum lustig machte, aber predigte, es in den dümmsten Anstatt zwischen Salafisten und Christen Frieden zu stiften, befleißigt sich Pierre Vogel in Youtube-Videos mit einer Kritik am Christentum, wie sie den dümmsten christlichen Anschauungen eigen sind, nicht aber den gescheiteren. - Mag sein, dass Pierre Vogel zur Besinnung kommt, ob nun zu religiöser oder allgemeinerer Vernunft, aber in Videos vor 2014 war es nicht der Fall.

Desgleichen lässt sich mit Konvertiten anderer Glaubensrichtungen beobachten, wie es auch Raucher gibt, die zu Nichtrauchern wurden und dann nach verqualmten Jahren kein Räuchlein mehr ertragen. 
Für all lohnt durchaus Verständnis, aber auch Mahnung zur Besonnenheit & Aufrichtigkeit in eigener Biographie.

Jedenfalls haben es Konvertiten schwerer als Nesthocker-Religiöse und sehen sich oft in der Not, besonders eifrige Lobbyisten ihres Religionswechsels sein zu müssen, indem sie ihre vorherige Religion übertrieben kritisieren, wobei es oft Kritik ist, die auf das neue Bekenntnis ähnlich zutrifft, z.B. Marien-Verehrung, Propheten-Verehrung. Aber es geht in religiösen Belangen eben oft nicht um Logik, sondern um eine Loyalität, die sich daran ergötzt, dass sie "aus dem Herzen" sei, als sei der Verstand etwas Schlechteres & nicht das Zentralorgan auch der Religiösen.

Dieser Text soll keine Geißel gegen Konvertiten sein, denn wie gesagt, mir bezeugt der Bekenntniswechsel mehr Denken & Willen des Menschen als es bei Nesthocker-Religiösen zu vermuten ist. Mein Text ist eher ein Wunsch an alle, die Konvertiten in einer Weise zu fordern, wie Konvertiten möglicher ist, zwischen Religionen das Positive und Gemeinsame zu vermitteln und nicht die Rivalität zu vertiefen. 

Markus S. Rabanus
2015-11-19       

ps: In gewissem Sinne bin auch ich "Konvertit", denn religiös erzogen, dann ins Kommunistische entflogen & heute Naturalist, Pazifist & viele Überzeugungen, die sich wandeln können. 

Religionslexikon

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