Gorbatschow
Michail Sergejewitsch
, *2.3.1931
  • letzter Chef der Sowjetunion 
  • Reformer + Demokratisierer 
  • Einiger der Deutschen 
  • Friedensnobelpreisträger

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Persönliche Würdigung: Als Michail Gorbatschow wie ein unbeschriebenes Blatt an die Macht kam, lösten seine öffentlichen Auftritte bei mir zunächst Misstrauen aus, denn es schien, als stünde ein weiteres Mal bloß die pauschale Aburteilung der Vorgeschichte und neue Einheitslehre an.
Mit dem "April-Plenum" (1985) jedoch sprach Gorbatschow eine Systemkritik und Forderungen aus, die tatsächlichen Wandel zum "sozialistischen Pluralismus" unausweichlich machten, der seit Gründung der Sowjetunion als Trotzkismus, Sektierertum, Fraktionismus, Revisionismus, Subjektivismus, kleinbürgerlich usw. verdammt und verfolgt worden war.

Tatsächlich aber scheiterte auch der sozialistische Pluralismus und die Vision eines "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" an innenpolitischen Konzeptlosigkeiten und Widerständen einerseits, wohl aber auch an ideologischen Ungereimtheiten und den systemischen Schwächen des staatsmonopolistischen Sozialismus im Wettbewerb mit kapitalistisch wirtschaftenden Gesellschaften, so dass auch
Gorbatschow mehr und mehr zu sozialdemokratischen Auffassungen gelangte.

So sehr ihm russische Nationalisten verübeln, ihnen das Riesenreich der vormaligen Sowjetunion nicht vor dem Zerfall gerettet zu haben, so ist auch das ein Verdienst seiner Politik zugunsten der Selbstbestimmung der Völker, beispielsweise der deutschen Wiedervereinigung. 

Seine größte Leistung allerdings ist die Beendigung des in der brandgefährlichen Unkalkulierbarkeit stets heruntergespielten Ost-Westkonflikts, wofür Gorbatschow zurecht und hochverdient 1990 den Friedensnobelpreis bekam.

Sofern ein solches Ranking überhaupt Sinn machen kann, wäre Gorbatschow der beste und wichtigste Politiker des 20. Jahrhunderts.

Markus Rabanus 20110303        Politik-Forum


Glasnost [russisch »Öffentlichkeit«], in der 2. Hälfte der 1980er-Jahre in der UdSSR von M. Gorbatschow geprägtes Schlagwort für Bestrebungen, den politischen Willensbildungsprozess in Partei und Staat durchsichtig zu machen und die Bevölkerung bei der Umgestaltung (Perestroika) zu beteiligen
Perestroika, Bezeichnung für die geplante Umgestaltung des politischen Systems der UdSSR im Hinblick auf Demokratisierung des öffentlichen Lebens und eine leistungsfähigere Wirtschaft im Rahmen der Reformpolitik M. Gorbatschows. Ihr Scheitern mündete 1991 in den Zerfall der UdSSR.    zitiert aus dem Brockhaus
1931 2.3.  geboren
1971 Mitglied des ZK der KPdSU
1980 Mitglied des Politbüros
1985 Tschernenko stirbt; Gorbatschow  wird zum "Vorsitzenden der Begräbniskommission" gewählt und kurz darauf Generalsekretär der KPdSU;  mit Gorbatschow setzt die Entspannungspolitik wieder ein. Seine innenpolitischen Reformen (Losungsworte Perestrojka und Glasnost) verändern die Sowjetunion zwar in demokratische Richtung, aber können die marode Sowjetunion weder ökonomisch noch territorial zusammenhalten.
1985 Einseitiger Atomwaffenteststopp (Weltfestspiele, Sven war gerade in Moskau :-)
1988 Oktober 1988 bis März 1990 Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets
1989 Beendigung des sowjetischen Afghanistan-Krieges, Rückholung der Armeen im Februar 1989
1990 Gorbatschow sichert am 10. Februar 1990 das vollständige Selbstbestimmungsrecht der Deutschen in Ost und West zu.
1990 März 1990 bis Dezember 1991 wurde er zum 1. Präsident der UdSSR
1990 Friedensnobelpreis
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1991 21.August 1991:  Gorbatschow und Ehefrau Raissa werden während ihres Urlaub von rebellierenden Konservativen der KPdSU und der Armee unter Hausarrest gestellt und entmachtet.
In Moskau hält Boris Jelzin im Gebäude des Russischen Parlaments die Stellung gegen die Aufständigen.  Es fahren Panzer auf, aber viele Moskauer sammeln sich um den Regierungssitz von Jelzin und schützen vor Übergriffen des Militärs. Von Gorbatschow hört man lange nichts und wusste weder, ob er noch lebt oder vielleicht sogar hinter diesem Quasi-Militärputsch gegen seine eigene Politik stand.  Aber die öffentlichen Proteste gegen die neuen Machthaber ließen nicht nach und schließlich wurden Gorbatschows vom Militär wieder nach Moskau geflogen. Seine Frau hatte offenbar einen Schlaganfall erlitten und Gorbatschow selbst wirkte entkräftet. Sein Auftritt vor dem russischen Parlament endete im Fiasko, als Jelzin in Russland per Dekret die Kommunistische Partei verbot. Es war praktisch das politische Ende Gorbatschows.
Auch in der Bevölkerung fand er kaum noch Rückhalt, da seine Reformen nicht den dringend benötigten wirtschaftlichen Aufschwung brachten und die Auflösung der ehemaligen Supermacht offenbar doch sehr viele Russen schmerzte.
1991 21.Dezember 1991: Russland gründet mit zehn ehemaligen Sowjetrepubliken die GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) und erklären das Ende der Sowjetunion.
2000 März 2000  Gorbatschow gründet die Vereinigte Russische Sozialdemokratische Partei
    
 

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